Die Ankunft, große Erschöpfung und eine nicht sehr ruhige Nacht

 

  Am 30. August ging mein Flieger nach England. Viele, mir sehr wichtige Freunde, mein Freund und natürlich meine lieben Eltern haben mit mir die letzte Zeit vor meinem Abflug im Langenhagener Flughafen ausgeharrt. Danke an euch dafür, es war wirklich schön, euch noch einmal gesehen zu haben und es  hat mir viel bedeutet, dass ihr da wart!

Als es nun ans Boarding ging und ich mich verabschieden musste, um mich in die Schlange einzureihen, wurde mir schlagartig mulmig zu mute. Jetzt geht es los. Sobald ich hier durch bin, gibt es kein Zurück!

Meter für Meter schob ich mich und meine wohl viel zu schwere Handgepäcktasche voran.

Immer wieder winkte ich meinen Verabschiedern zu und Kusshände flogen über die Schlange hin und her.

 

Irgendwie entkamen ein paar Tränen aus meinen ohnehin schon überzulaufenden Augen. Ich drehte mich weg, damit meine Eltern, mein Freund und meine Freunde mich nicht weinen sahen, rechnete allerdings nicht damit, dass die Frau vor mir sich plötzlich umdrehte, sofort erkannte, dass ich tieftraurig war und mir die Tränen von der Wange wischte. Damit aber nicht genug, sie nahm mich noch in den Arm und drückte mich fest. Vor lauter Rührung über so viel Freundlichkeit musste ich nur noch mehr losschluchzen. 'Thank you' jaulte ich in ihre Schulter.

Sie versuchte mir irgendwas auf einer fremden Sprache zu erzählen, doch mein ahnungsloser Blick ließ sie stoppen und sie sah ihre Freundin an, die für mich übersetzte.

Ob das mein erster Türkeiurlaub sei, fragte sie mich. Türkei? Hä?

Nein, ein Jahr Au Pair in England, antwortete ich. Sie nickte. Ach so.

 

Im Sicherheitsbereich schien man es auf mich abgesehen zu haben.

Von einem früheren Flug wusste ich bereits, dass ich den Laptop einzeln durch diese 'Röntgenmaschine' schieben musste. Also wird der allein durchgeschoben und dann die Tasche mit dem restlichen Klimmbimm.

 

Und dann war ich selbst dran. Irgendwas an mir hat natürlich gepiept und folglich wurde ich erst mit dem Gerät und dann noch mal per Hand 'gescannt'.

Nachdem ich endlich durch war, will ich meine Sachen einsammeln und der Sicherheitsmann nuschelt mich an, ob das meine Tasche wär und mal einen Blick reinwerfen kann.

Ich lasse hier das Subjekt bewusst weg, denn ich habe es auch am Flughafen überhört. Ich dachte, ich selber solle noch mal zeigen, was alles drin ist. 'ICH schau da mal rein!', schnauzt er mich an. Ups. Okay, gerne.

Der Mann nahm meine halbe Tasche auseinander und eilig packte ich alles wieder zusammen, denn ich hatte nur noch fünf Minuten um ins Flugzeug zu kommen und ich wusste nicht einmal, in welche Richtung ich laufen musste.

 

Im Flugzeug angekommen, versuchte ich erneute Tränen zurückzuhalten, was wiederum dem Steward auffiel und wieder bekam ich einen mitfühlenden Blick zu geworfen.

In meiner Sitzreihe war bereits der Fensterplatz besetzt, ein genervt aussehender Mann im Anzug.

Ich nuschelte ein 'Hallo’ und begann alle meine Sachen wieder in meine große Tasche einzusortieren, wobei ich meinen und den mittleren Sitz einnahm. Hoffentlich steht mein Sitznachbar jetzt noch nicht wartend hinter mir, betete ich. Da hörte ich bereits einen jungen Mann hinter mir, der sich auf Englisch mit zwei älteren Damen unterhielt und offensichtlich nach seinem Sitzplatz suchte. Und natürlich war sein Platz der, den ich gerade in Beschlag genommen hatte.

Glücklicherweise war er sehr nett und geduldig, half mir sogar, die Tasche in der Gepäckablage zu verstauen, sodass wir beide schließlich unsere Plätze einnehmen konnten.

 

Als der Pilot das Flugzeug gerade in Startposition brachte und die vergangene Zeit mir schon wie Ewigkeit vorkam, fragte mich mein Nachbar 'German?'. Ich nickte und er fragte mich, was denn mit mir los sei? Ich muss wohl ziemlich verstört ausgesehen haben :D

Also berichtete ich ihm, dass ich für ein Jahr nach England gehen würde um als Au Pair zu arbeiten. Da drehte sich plötzlich das Mädchen in der Reihe vor mir um und lächelte mich an 'Ich auch! Ich bin für ein Jahr in London als Au Pair!' Welch ein Zufall. Wir tauschten gleich mal unsere Kontaktdaten aus und beschlossen uns in ein paar Tagen mal zu berichten, wie es uns so erging.

 

Während des Flugs erzählte mir mein Nachbar noch, dass er sein Abitur in England gemacht hatte und dann während des Studiums seine chinesische Freundin kennen gelernt hatte, mit der er jetzt zusammen ziehen wollte.

Schöne Geschichte :)

 

Ich verließ zusammen mit Ronja, dem Mädchen vor mir, das Flugzeug und auf dem Weg zu unserem Gepäck stellten wir fest, dass wir aus denselben Gründen ein Au Pair-Jahr eingelegt hatten.

Als nach einer halben Stunde unsere Koffer endlich den Weg zu uns fanden, ging es hinaus in die Halle.

Irgendwo stand jetzt meine Gastmutter in einem pinken Shirt mit einer roten Blume dran, das hatte sie mir extra noch mal geschrieben.

Und schließlich fand ich sie auch. Claire lächelte mich freundlich an und nahm mir einen Koffer ab.

Schnell winkte ich noch Ronja zu, die von einem Taximann zu ihrer Familie gefahren werden würde.

An Claires Auto angekommen, wollte ich wie selbstverständlich auf der rechten Seite einsteigen, doch im letzten Moment wurde mir klar, dass der 'Passenger seat' in England ja auf der linken Seite war.

 

Während der etwa einstündigen Fahrt fragte Claire mich ein bisschen über mich aus und ich erfuhr, dass sie Krankenschwestern ausbildete.

In meinem 'neuen zu Hause' angekommen, wurde ich von Teija, dem Hund, den Mädchen und JP, dem Papa herzlich  begrüßt.

Für Ella und Georgie war es Zeit ins Bett zu gehen und so saß ich mit Claire und JP unten in der Wohnzimmerküche zusammen.

(Ich nenne es Wohnzimmerküche, da ein Fernseher und zwei Sofas mit im Raum stehen.)

Sie boten mir etwas zu Essen an und obwohl ich noch kein Abendbrot hatte, war ich kein bisschen hungrig.

Um etwa 11 Uhr ging ich hoch in mein Zimmer und so im Dunkeln kam es mir recht trostlos vor.

Zwar war ich bereits sehr müde aber irgendwie musste ich noch meine Koffer auspacken und meinen Kram in den Schrank einsortieren. So fiel ich gegen halb 1 mehr als todmüde ins Bett.

Trotz allem schlief ich in der ersten Nacht nicht wirklich gut. Klar, in einem fremden Haus, bei fremden Leuten in einem fremden und viel zu großem Bett schläft es sich nicht besonders gut.

 

Mal schauen, wie der erste richtige Tag wird...

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Papa (Mittwoch, 07 September 2011 10:42)

    Hallo Tochter, auch wir hatten Tränen in den Augen und als ich diesen Beitrag gelesen habe, ebenfalls. Aber ich freue mich mit Dir, dass es doch viele liebe, mitfühlende Menschen gibt, die es uns widerum leichter machen: die ganze Bande, die Dich am Flughafen verabschiedete; die Frau, die Dir die Tränen von der Wange wischte; Ronja, die sich plötzlich in der Reihe vor Dir umdrehte und lächelte; die Familie Deines 'neuen zu Hause' - Teija, dem Hund, den Mädchen JP, dem Papa und Claire, die Dich herzlich begrüßten...
    Und mit dieser Gewissheit bekommst Du auch die Kurve: es wird eine abwechslungreiche, interessante und schöne Zeit auf Dich zukommen - und wer weiß, vielleicht hast Du wieder Tränen in den Augen, wenn Du nach einem Jahr Abschied nehmen musst...