London, London, London :-)


Der Donnerstag begann früh um 7 Uhr, denn die Summer Bank Holidays waren vorbei und die Kinder mussten wieder zur Schule.

Um halb 8 Uhr musste ich unten in der Küche sein, um Ella zum Frühstücken zu motivieren und sie anzufeuern, pünktlich zur Bushaltestelle zu gehen.

Natürlich kam ich nicht so richtig schnell aus dem Bett und so wusch ich nur schnell mein Gesicht, putzte meine Zähne, zog mir meine Jogginghose an und eine Fleecejacke über mein Schlafanzugoberteil und düste die Treppe runter.

Georgie musste das Haus immer um halb verlassen. Ein paar Mütter aus der Straße hatten sich zu einer Fahrgemeinschaft für die Kinder zusammen getan und heute war die Mutter von Georgies Klassenkameradin dran.

 

Um viertel vor 8 Uhr gingen Claire, Ella und ich zur Bushaltestelle um Ella in ihren Schulbus zu setzen.

Da allerdings nur noch zwei andere Mädchen aus unserer Umgebung zu Ellas Schule mussten, hatte man den Coach (Schulbus) in ein Taxi umgewandelt und so hatten die drei ihren persönlichen Chauffeur Brian zur Schule.

Während wir noch auf den Coach warteten, kam die Sonne langsam zwischen den Wolken hervor und ich war dabei, meine Fleecejacke aufzumachen, als mir peinlicherweise (aber zum Glück noch rechtzeitig) auffiel, dass ich noch immer meinen Schlafanzug trug.

Ups!

 

Claire verabschiedete sich kurz darauf um zur Arbeit zu fahren und so nutzte ich die Gelegenheit, zu duschen und mich endlich richtig anzuziehen!

Anschließend spazierte ich zwei Stunden lang mit Teija herum.

Nicht weit von unserem Haus ist ein großes weites Feld, eine riesige Wiese. Dort konnte man die Hunde von der Leine lassen und entspannt umherwandern.

Heute probierte ich mein Glück. Würde Teija auf mich hören und zu mir zurückkommen?

Ich zeigte ihr die Leckerlis, die ich für sie mitgenommen hatte. Quasi als Erpressungsmethode; wenn du brav bist, gibts einen leckeren Happen!

Und tatsächlich, es klappte!

Teija gehorchte und kam zu mir zurück. Ich belohnte sie mit dem zuvor gezeigten Leckerbissen und ließ sie immer wieder laufen um sie wieder zu mir zurück zu rufen.

Es machte mich wirklich ziemlich glücklich :-)

 

Schließlich kamen wir endlich wieder zu Hause an und wir beide waren ziemlich kaputt.

Ich nahm mir nun vor, die Küche zu fegen und anschließend zu wischen. Gegen halb 3 aß ich mein Mittagessen und setzte mich vor den Fernseher.

Um 16 Uhr holte ich Ella von der Bushaltestelle ab. Nachdem ich ihr einen Drink und Snack angeboten hatte, fragte ich sie nach ihren Hausaufgaben - sie habe keine, antwortete sie und zog los um am PC oben ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen: Movie Star Planet!

 

Da ich nicht ganz sicher war, wie es um Ellas Ehrlichkeit stand, stibitzte ich ihr Hausaufgabenheft aus ihrer Tasche und checkte noch mal nach, ob sie auch die Wahrheit gesagt hatte. Fast - sie sollte einen grünen Zettel in ihrem Englischheft lesen. Ich sah mir den Zettel an, aber es war wirklich nichts wichtiges, nur ein paar Hinweise der Lehrerin über ihre Erwartungen an ihre Schülerinnen (Ella ging auf eine reine Mädchenschule). Den hätte ich auch als "nichts" bezeichnet.

 

Als Claire gegen 6 nach Hause kam, stand ich sprichwörtlich schon in Hut und Mantel, denn ich wollte mich zuerst mit Ronja und danach mit Arne treffen.

Ich nahm den Zug um halb 7 und sollte eigentlich innerhalb von 20 Minuten in London St Pancras ankommen.

Pustekuchen!

Irgendwie sind wohl die Kontrolllichter an der Bahnstrecke ausgefallen und so musste unser Zug an jeder Haltestelle erstens halten (eigentlich sollte dieser der Schnellzug sein, der nur zwei andere Stationen vor St Pancras anfuhr) und dort mindestens 10 Minuten auf weitere Anweisungen warten.

Aus der geplanten zwanzigminütigen Fahrt wurden 1 1/2 Stunden Stop and Go.

Ich musste Ronja also leider absagen.

Während ich so da saß und im Zug gelangweilt umherschaute, verfluchte ich mich selbst, dass ich wieder nicht daran gedacht hatte, meinen MP3-Player oder ein Buch mitzunehmen.

 

Um 8 Uhr kam ich endlich in London an und war somit sogar pünktlich um Arne zu treffen.

Wir entschieden uns, in einem Pub nahe des Bahnhofs etwas zu essen und trinken.

Es war wieder sehr schön, deutsch sprechen zu können und jemanden zu haben, den man zutexten konnte mit all den Eindrücken und Erlebnissen, die ich täglich seit meiner Abreise aus Deutschland in mir gesammelt hatte.

Gegen 22 Uhr entschieden wir, dass ich nach Hause und Arne (er war mit dem Bus von Hannover bis London gefahren und heute Nachmittag erst angekommen) in seine Herberge fahren würde.

Im Bahnhof angekommen, sahen wir auf der Anzeigetafel meinen Zug. Er würde in 5 Minuten abfahren.

Schnell liefen wir zu meinem Gleis. Dort allerdings stand dann nichts mehr von dem Zug - er war gecancelt worden.

Wahrscheinlich wegen der noch andauernden Probleme mit den Lichtzeichen.

Okay, dann würde ich also den Zug um viertel nach 10 nehmen. Der würde auf einem anderen Gleis fahren - also gingen wir nach unten zu dem anderen Bahnsteig. Dort allerdings wusste keiner von dem Zug bzw. die Leute dort meinten, dass er oben (wo wir vorher waren) abfahren würde.

Also wieder hoch.

Doch auch dieser Zug hatte zuerst Verspätung und wurde anschließend ganz aus dem Plan genommen.

Ich brachte Arne zu seiner Tubestation, da ich ja eh noch 15 Minuten Zeit hatte um den Zug um halb 11 zu nehmen. Auf dem Weg zurück kaufte ich mir bei M&S noch zwei Obstschalen als Proviant - man weiß ja nie.

Zum Glück aber verlief die Rückfahrt ganz nach Plan.

Endlich wieder in St Albans angekommen, ließ ich mich von einem Taxi nach Hause fahren und fiel (mal wieder viel zu spät für mich) ins Bett.

 

Freitag war ebenfalls ein London-Tag oder eher Abend.

Doch vor dem Abend kommt erst mal der Morgen.

Der begann natürlich wieder um 7 Uhr und mit Stress.

Nachdem ich Ella zur Haltestelle begleitet hatte (dieses Mal vollständig sauber, angezogen und ausgehfertig), musste ich auch schon weiter - zu meiner Schule.

 

Heute hatte ich eine andere Lehrerin, Ruth. Sie war sehr nett und ihr Unterricht schien um einiges ansprechender, wenn auch das Thema der Stunde genauso wenig anspruchsvoll war.

In der halbstündigen Pause traf man sich unten in einem Klassenraum zu Kaffee, Tee, Keksen und Weintrauben. Alles war innerhalb weniger Minuten weggeputzt oder zumindest wurden die Kannen ihrer Flüssigkeit entledigt, die Leerung der Tassen folgte in der nächsten halben Stunde.

Ich stand mit mehreren deutschen Mädchen und einem deutschen Jungen zusammen. Alle Mädels waren wie ich Au Pairs, Konstantin machte ein Praktikum bei Caprisonne und die Firma bezahlte ihm die Sprachschule. Deswegen war er hier, weil es einfach für ihn bezahlt wurde.

Wir Mädchen wollten durch die Schule zum einen neue Leute kennen lernen und zum anderen ein Examen machen.

 

Froh, dass wir uns auf Deutsch unterhalten konnten und uns nicht jeder verstand, schnatterten wir Mädels munter drauf los, erzählten von unseren Gastfamilien, den Eltern und Kindern und evtl. auch Haustieren und unseren bisherigen Erlebnissen. Die halbe Stunde ging viel zu schnell zu Ende und schon saßen wir wieder im Unterricht, doch die letzten 1 1/2 Stunden vergangen schnell.

Nach dieser zweiten Probestunde war ich mir sicher, dass ich in den Advanced Level (der höchste Level) wollte und dass ich es dort auch schaffen konnte. Schließlich hatte ich zwei Jahre lang "real british English" bei Frau Stein und auch da hatte ich die meiste Zeit anspruchsvolleren und schwereren Unterricht erlebt.

 

Manchmal, während ich im Unterricht der School of Languages der Langeweile verfiel, musste ich daran denken, wie gut ich es bei Frau Stein doch hatte. Da musste ich zumindest nicht diverse Namen von Tieren oder Kleidungsstücken lernen :D

Nach der Schule hatte sich ein Mädchen, Madeline, aus einem anderen Kurs mit mir verabredet. Sie wollte noch ein bisschen bummeln und da war ich natürlich dabei.

Als ich dann vor der Tür der Sprachschule wartete, kam Konstantin heraus. Es stellte sich heraus, dass Madeline uns beide "herbestellt" hatte um nach dem Unterrich noch etwas zu unternehmen.

Ich zeigte den beiden einen günstigen Supermarkt und anschließend gingen wir zu "New Look", der Klamottenladen hier überhaupt!

Gestern hatte ich das dringende Bedürfnis, mir neue Schuhe zu kaufen. Da meine restlichen Schuhe aus Deutschland noch nachgeschickt würden, war ich jetzt mit einem Paar Ballerinas und Ledersneakers ausgestattet. Das reichte mir natürlich nicht ;-)

Also entschied ich mich in "New Look" für ein Paar sehr schöne aber auch sehr hohe Schuhe. Egal, ich musste sie haben und ich wollte mein verdientes Geld ausgeben.

 

 

Zeitsprung: es war bereits später Nachmittag, genauer viertel nach 6 als Claire von der Arbeit kam und ich mich auf den Weg zum Bahnhof machte. Wir gaben uns praktisch die Klinke in die Hand, denn ich musste mich beeilen um pünktlich in London zu sein.

Natürlich musste ich meine neuen Schuhe testen und so stöckelte ich mit meinen neuen Stöckelschuhen zum Bahnhof.

Ziemlich bald, eigentlich sobald ich die erste Ecke (nach 10 Metern) erreicht hatte, verfluchte ich mich in Gedanken für diese blöde Idee.

Als ich allerdings im Zug saß, war es schon nicht mehr so schlimm.

 

Schlimm war allerdings der Grund, warum ich Ronja heute unbedingt noch treffen musste.

Ronja würde am Samstag früh morgens wieder nach Hause fliegen. Ihre Familie war mehr oder weniger ein Griff ins Klo gewesen. Sie wurde kein Stück integriert, der ältere Sohn (von insgesamt 3 Kindern) ignorierte sie und die Eltern waren auch nicht gerade sozial stark.

Ihr ging es also relativ schlecht und so hatte sie nach einer Woche bereits entschieden, das Experiment "Au Pair" viel zu frühzeitig abzubrechen.

Während wir beide in einem McD Restaurant saßen, erzählten wir uns von unseren bisherigen Abenteuern, wobei meine eher die positiven und ihre eher die negativen besetzten.

 

Ich versuchte (und hoffe, dass ich erfolgreich war), sie zu überzeugen, sich erneut als Au Pair zu bewerben.

Denn meiner Meinung nach sollte keiner mit so einer schlechten Erfahrung aus einer Sache rausgehen.

Ich versprach Ronja, meine Gasteltern zu fragen, ob sie vielleicht eine nette Familie mit ein bis zwei Kindern kannten, die ab Januar ein Au Pair für 6 Monate brauchen könnte.

Gegen 21 Uhr verabschiedeten wir uns voneinander, denn Ronja musste morgen um 4 Uhr aufstehen um pünktlich um 7 ihren Flug zu nehmen.

 

Als ich gegen 22 Uhr mein mir bereits doch sehr vertrautes neues zu Hause erreichte, war ich ziemlich glücklich, dass es mich so gut getroffen hatte. Auch wenn ich mit den Mädchen noch nicht hundertprozentig klar kam, ich wurde hier mit offenen Armen empfangen, fühlte mich willkommen und wohl in der Familie.

 

Endlich schaffte ich es (an einem Freitagabend?!) früh ins Bett zu kommen und konnte somit meine Schlafdefizite nachholen.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Best Juicer (Montag, 15 April 2013 01:48)

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