Neue Laufschuhe und Schnee

Wochenenden sind immer besonders schön, mal ganz aktiv, dann ganz verschlafen.
Dieses Mal war es eine gute Mischung.
  Freitagabend ging es mit meinen Au Pair Freundinnen in einen Pub. Eigentlich wollte ich nicht so lange wegbleiben, dann war es aber doch halb 3 als der Pub schloss und so war ich dann kurz vor 3 im Bett.
  Am Samstagmorgen ist hier im Haus immer schon viel los, und irgendwie schafft es diese Familie nicht, auf einer normalen Lautstärke zu kommunizieren. Also war ich dann um 8 erst mal wach und konnte so recht auch nicht wieder einschlafen. Um kurz nach 9 sind dann alle aus dem Haus gewesen, leider nur hatte Georgie ihren Porridge nicht aufgegessen und auf dem Counter in der Küchenmitte (von meiner Hostfamily „Island“ genannt), stehen gelassen. Teija, der Hund, hat das natürlich gerochen, ist auf die Island gehüpft und hat genüsslich geschleckt, bis sie die Schüssel über den Rand geschoben hat, die Schüssel am Boden zerschellt ist und ich dadurch wieder wach geworden bin. Also musste ich aufstehen - Teija kam mir schon mit schuldigem Blick und angelegten Ohren auf der Treppe entgegen - und die Scherben beseitigen.
Bei der Gelegenheit hab ich mir dann schnell noch ein kleines Frühstück zubereitet und mich wieder auf den Weg nach oben gemacht. Während ich dann im Bett den Greek Joghurt mit Blaubeeren und ein Glas Milch genoss, schaute ich mir eine Folge Grey’s Anatomy im Internet an, allerdings nur zur Hälfte, da es dann plötzlich nicht mehr laden wollte.
Die Pause war mir allerdings ganz recht, schon fielen mir meine Augen wieder zu und erst zweieinhalb Stunden später öffneten sie sich wieder.
Pünktlich zum Mittagessen ging ich runter, aß die Nudeln auf, die Ella nicht mehr wollte und gönnte mir ein Stück kalte Pizza. Eine halbe Stunde später duschte ich und als ich da in Handtücher gewickelt im Bad stand, meinte Ella, sie müsste mir beweisen, dass sie mit einem Kleiderhaken das Türschloss aufmachen konnte. Und nur einmal war ihr natürlich nicht genug.
Und so stand ich dann da, Haare in ein Handtuch gewickelt, mit den Händen, das große Handtuch festhaltend im Bad und wartete, bis Ella es endlich aufgab, ständig die Badezimmertür aufzumachen und ich mich endlich eincremen und anziehen könnte.
Kurz vor zwei war ich dann wieder alleine im Haus, mittlerweile hatte ich auch einen Moment abgepasst, um mich endlich ankleiden zu können, trocknete mir die Haare und machte mich bereit, schnell noch mal mit Teija rauszugehen.
Die kam an Wochenenden immer etwas zu kurz.
Besonders an diesem, denn meine Hostmum hatte sich übers Wochenende mit ein paar Freundinnen in die französischen Alpen abgesetzt um Ski zu fahren. (Was war ich doch neidisch auf sie!)
JP jedenfalls hatte es bisher noch nicht geschafft, mit Teija rauszugehen und so hatte ich mich bereiterklärt, sie für eine halbe Stunde zu walken.
Es war echt kalt geworden, ich weiß, ihr zu Hause in Deutschland leidet noch viel mehr, aber immerhin hatten wir auch schon mal minus 10°C. Allerdings nur nachts :)
Heute Nachmittag sollte es eigentlich schneien, aber bis jetzt konnte man noch keine Anzeichen dafür sehen.

Es war kurz vor 4 als ich zur Bushaltestelle lief, mein gesamtes Gehalt für die nächste Woche im Portemonnaie. JP hatte mir heute Morgen meine £70 gegeben und dann noch einen Fünfer oben drauf gelegt. Fürs Shopping, sagte er. Und dafür, dass du Teija gestern und heute noch walkst!
Gerne nahm ich dieses Extrageld an :)

Vor kurzem hatte ich das Joggen für mich wiederentdeckt. Zuletzt hatte ich das (wirklich regelmäßig) mit Julia gemacht, vor etwa drei Jahren. Danach war es im Winter immer zu kalt und im Sommer zu warm gewesen, aber in den letzen vier Wochen hatte mich das Runningfieber wieder gepackt und da ich das auch gut mit dem Teija-Walken verbinden konnte und dazu noch in Krista eine neue und weitere Laufpartnerin gefunden hatte, hatte ich es sogar geschafft immer zwei Mal die Woche laufen zu gehen.
Beim letzten Mal allerdings hatten meine Schuhe den Geist aufgegeben, der vordere Teil der Sohle hatte sich zumindest beim linken Schuh beinahe komplett abgelöst. (Noch eine kleine Anekdote – auch im englischen existiert diese Redewendung: My shoes are giving up the ghost. Oder auch: They are on their last leg.)

Mission des Samstagnachmittags war also: Neue Laufschuhe kaufen!
Ich traf Maddy im Bus, Krista stieg im Zentrum ein.
In Hatfield angekommen, gingen wir als erstes In den Nike Factory Outlet. Vor den Schuhregalen stehend, die Schuhe betrachtend, kam ich mir ganz schön verloren vor, was für Schuhe wären denn jetzt die besten für mich? Von der Kasse konnte ich schließlich eine Bedienung weglocken und die fragte mich dann so Sachen wie, Wie viele Meilen läufst du? Wo läufst du? Wie lange läufst du? Wie oft läufst du?
Errrm, gut dass ich keine Ahnung habe, wie viele Meilen ich laufe. 45 Minuten?! Wie schnell laufe ich denn da? Am besten hätte sie noch gefragt, wie viele Miles per hour!
Naja, ich probierte dann ein paar Schuhe an, die waren aber irgendwie nicht so das richtige.
Wir drei Mädels waren inzwischen vier geworden, Lea-Mara von der „frühen“ Gruppe hatte sich uns angeschlossen, da die anderen bereits nach Hause gefahren waren und zusammen gingen wir dann zum Sports Direct Outletstore. Dort sind an den Wänden alle Schuhe, also pro Modell einer, an der Wand ausgestellt und der Kunde sucht sich dann die aus, die in Frage kommen und das Personal holt die Schuhe dann in der entsprechenden Größe aus dem Lager.
Ich, mal wieder keinen Plan von nichts, suchte mir sieben verschiedene Schuhe aus, die ich gerne anprobieren würde. Der erste Verkäufer nahm einen mit, anscheinend hatte er den Stapel der sechs übrigen nicht gesehen oder nicht sehen wollen. Lea und ich warteten als ein anderer Mann, wohl sowas wie der Geschäftsführer an uns vorbei kam und fragte, ob wir schon bedient wurden.
Naja, so zur Hälfte sagte ich, und ließ meinen Blick über die sechs Schuhe schweifen, die ich nun feinsäuberlich nebeneinander aufgereiht hatte. Er rief einen anderen Mitarbeiter herbei, drückte ihm drei Schuhe in die Hand und schickte ihn mit „Size 6 please“ ins Lager. Der erste Verkäufer kam in dem Moment wieder, mit einem entschuldigen Blick, es gäbe dieses Paar Schuhe nicht mehr in meiner Größe.
Der zweite kehrte nach wenigen Minuten zurück, drei Schuhkartons unter dem Arm. Jetzt nur noch zur Hintergrundinformation, er war ein Schwarzer. „Do you like blacks?“ „Errm, yes?“ Ich war mir jetzt nicht ganz sicher, worauf er mit dieser Frage herauswollte, aber was auch immer er meinte, gegen die Farbe schwarz hatte ich nichts, auch nicht wenn sich dabei um eine Hautfarbe handelte.
Er grinste Lea und mich belustigt an und gab mir den ersten Karton. Schwarze Laufschuhe.
Ich zog sie an und dachte „JAAAAAH!!!“ Diese Schuhe waren ultra bequem, super weiche Sohle aber doch auch fest und stabil. Ich joggte ein Mal durch den Laden, suchte dabei Krista und Maddy und präsentierte meine potentiell neuen Schuhe.
Natürlich probierte ich die anderen zwei Paare noch einmal an, aber die schwarzen waren meine absoluten Favoriten!
Kurz vor Geschäftsschluss wurde ich noch £57 los, dann ging es auf zum Kino. Der Film sollte in einer halben Stunde beginnen und wir hatten noch nichts gegessen. Schnell holte ich die Karten und traf Krista und Maddy dann bei McD um noch einen kleinen Snack einzunehmen.
Kurz nach halb 7 saßen wir dann im Kino und schauten uns Sherlock Holmes an.
Als wir um 9 wieder aus dem Kino raus kamen, war alles weiß, es schneite … ähm… in Strömen? Also ziemlich stark meine ich. Inständig hofften wir, dass unser Bus noch fahren würde, denn in England war man ja bekanntlich mit 5cm Schnee schon überfordert. Mittlerweile lagen nun bestimmt schon 2,5cm.
Aber wir hatten Glück, nur 15 Minuten verspätet kam der Bus und um kurz nach 10h waren wir wieder zurück in St Albans.
Während ich die letzten zwei Minuten von der Haltestelle bis zur Haustür lief (und bei jedem zweiten Schritt wegrutschte) umgab mich diese unglaublich schöne Schneeatmosphäre.
Der Schnee fiel in großen Flocken, das Licht der Straßenlaternen schien gelb auf den Schnee und die Nacht war so irreal hell und still. Diesmal hörte man kaum die Autos auf der Straße vorbeirutschen (Winterreifen werden ja überbewertet) und auch die Absätze meiner Stiefel klackten nicht wie gewohnt auf dem Fußweg. Am liebsten wäre ich noch eine halbe Stunde einfach so im Schnee spazieren gegangen aber ich war doch etwas müde und hungrig.
JP und die Mädchen hatten Chinese Take Away zum Abendessen gehabt und mir etwas übergelassen.
Während ich dann England’s and Ireland’s Next Topmodel schaute, gönnte ich mir mein halb-11-Uhr-Mahl und eine halbe Stunde später lag ich im Bett.

Am Sonntagmorgen waren Georgie und Ella schon seeeehr früh wach und wegen des Schnees ziemlich aufgeregt. Ich glaube es war gegen halb 7, als die beiden zu quatschen anfingen. Neeeeiiiiinn!!!!!
Zum Glück wurden sie nach einer dreiviertel Stunde wieder ruhiger und so konnte ich noch bis viertel nach 9 weiter schlafen. Dann stand ich auf, räumte mein Zimmer auf, legte meine Klamotten für den Tag raus, machte mich fertig und stand um 10 Uhr unten in der Küche und machte mir mein Sonntagsrührei :)
Nach dem Frühstück räumte ich noch etwas die Küche auf, man merkte es schon, wenn die Frau im Haus nicht da war und das Au Pair (eigentlich) frei hatte.
Seit viertel vor 11 sitze ich jetzt an meinem Laptop, schaue dem Schnee beim Schmelzen zu und tippe endlich mal wieder einen kleinen Bericht für meine Homepage.
Jetzt muss ich aber mal wieder auf Englisch umspringen, denn mein Examen, das CAE (Certificate in Advanced English) rückt immer näher, am 17. März ist es so weit!

Danke an Felix. Denn dadurch, dass ich der Frage in seiner Email, wie es mir hier in England gerade ginge, antworten wollte, ist dieser Eintrag entstanden.

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Kommentare: 2
  • #1

    Marie Langer (Mittwoch, 08 Februar 2012 11:34)

    Hey pete! Du hast recht .. bei uns war und ist es immernoch ziemlich kalt. Am WE war ich mit Franzi und Niki beim BuLa Vorbereitungstreffen auf dem Bundeshof :)! Wir sind im Unterlager der germanischen Handwerker und haben schon viele Interessante Dinge über die Spielidee erfahren! Leider war es aufgrund der hohen teilnehmerzahl (ca.100) unmöglich die Essensausgabe in einem raum durchzuführen und so holten wir und gefrorene Gurken, Käse und Brot bei -18 Grad im Hof ab .... das koschi ist an den Fingern festgefroren und der z.T. heruntergetropfte Tee hat kleine gefrorene Seen hinterlassen :D!
    Sherlock Holmes hab ich mir mit Annie auch zusammen angesehen :) die Waldszene ist echt richtig gut gemacht ... wie hieß die große Kanone bei euch die abgefeuert wurde? Bei uns war es "der kleine Hänsel" :D!
    In nächste Zeit stehen hier ein paar geburtstagsfeiern an ... ich glaube, dass ich jedes Wochenende noch was zu tun habe ... keine Pause vorm Abi Stress :/ ... ich denke du kannst froh sein das hinter dir zu haben ;) ... viel Glück übrigens bei deinem CAE!
    Nothing ventured, nothing gained :D!

  • #2

    Masticating Juicer (Sonntag, 14 April 2013 21:38)

    This is a great write-up! Thank you for sharing!