CAE und St Patrick's Day

Wie es ja geplant war, habe ich mich vor zwei Monaten für ein Examen angemeldet. Damit ich, wenn ich nach dem Jahr wieder nach Hause komme, etwas in der Hand halten könnte, was mein so super gutes britisches Englisch bestätigt. Das Problem, dass ich anscheinend immer noch kein „british english“ spreche, sondern stattdessen irgendwie einen amerikanischen Akzent habe, besteht noch immer. Als ich den anderen Tag Claudia mit Teija nach Hause gewalkt habe, lernte ich Benji, ihren Gastsohn, kennen. Nach dem wir uns alle ein bisschen unterhalten hatten und ich mich mit Teija auf unseren Heimweg machte, hat Benji Claudia doch tatsächlich gefragt, ob ich Amerikanerin oder so sei – weil ich gar keinen Deutschen Akzent hätte.

Zu Anfang fand ich es ja noch lustig, zu verneinen, wenn jemand fragte, ob ich Amerikanerin wäre. Mittlerweile finde ich es eher enttäuschend, dass ich immer noch nicht den Britischen Akzent angenommen habe. Immerhin aber hört man nicht unbedingt raus, dass ich Deutsche bin und so habe ich ja doch einen Erfolg zu verbuchen.

Aber zurück zum Examen oder eher der Vorbereitung darauf. Aus der Bibliothek in St Albans konnte ich mir CAE Bücher ausleihen, die die Examen und Lösungen aus den vorangegangenen Jahren enthielten. Jeden Abend saß ich also für mindestens eine Stunde an einem „Paper“ (entweder Reading, Writing, Use of English oder Listening) und lernte…

 

Freitag, 16. März 2012

Morgen habe ich mein CAE Examen, Certificate in Advanced English. Ich hoffe, es wird nicht zu schwer, mal schauen, wie gut und ausreichend ich mich vorbereitet habe.

Heute nach der Schule habe ich noch mal für zwei Stunden in der Bibliothek gesessen und gelernt, das war echt gut. Danach war ich dafür aber auch ziemlich kaputt und belohnte mich mit Fernsehen. Das Gute daran ist aber, dass ich ja theoretisch weiterlerne, da ja alles auf Englisch ist :)

Morgen früh muss ich dann um halb 6 Uhr aufstehen, um zehn vor sieben das Haus verlassen, zum Bahnhof radeln, in den Zug nach London steigen, um dann um zehn nach acht bei der Uni anzukommen, wo ich das Examen schreiben werde. Ach ja, das wird ein schöner Samstag! Das Beste ist ja, dass ich nicht vor vier Uhr nachmittags fertig bin. Aber naja, da muss ich jetzt wohl durch! Und abends wird dann schön gefeiert, es ist ja morgen St Patrick's Day. Wir werden dann in einen irischen Pub gehen und den Iren und Nicht-Iren beim Trinken zuschauen :)

 

Dienstag, 20. März 2012

Das Examen lief ganz gut, Krista und ich waren überpünktlich da. Von 9 bis 16 Uhr haben wir dann das Reading, Writing, Use of English und Listening gehabt. Ich habe ein eigentlich recht gutes Gefühl - was mir etwas Angst macht. Denn bekanntlich stellt sich ja dann am Ende dann heraus, dass man alles andere als "gut" war.

  Andererseits habe ich alles in der vorgegebenen Zeit geschafft, hatte immer noch mal Zeit, alles durchzulesen und zu überprüfen. Natürlich weiß ich jetzt schon von einigen Fehlern aber ich hoffe einfach, dass ich pro Test immer noch 80% richtig habe, damit ein B noch drin ist. Bestanden ist das Examen auch noch mit einem C, das ist dann natürlich nicht der Oberhammer aber auch noch in Ordnung. Mit einem A habe ich noch nie gerechnet, dafür war ich einfach nicht gut genug. Und das würde auch fast bedeuten, dass ich so gut wie ein Muttersprachler wäre. Und bis dahin ist es wohl doch noch ein etwas längerer Weg.

Ein B wäre also absolut klasse, hoffen wir mal, dass es dafür gereicht hat!

Und ob ich wirklich richtig steh, mit meinem B, merk ich erst, wenn das Licht an geh(t). Und diese Erleuchtung lässt noch ganz schön lange auf sich warten, bis zum 30. April lässt mich die University of Cambridge noch schmoren.

Bis dahin vergesse ich am besten erst mal, dass ich das Examen überhaupt geschrieben habe. Fürs erste bin ich auch mit meiner neuen Freiheit beschäftigt - montags und freitags habe ich ja jetzt meine freien Tage seit ich nicht mehr zur Sprachschule gehe.

Allerdings werden die zwei Tage nicht mehr lang frei sein, ich möchte mir einen zweiten Job suchen. Ein erstes Angebot habe ich quasi auch schon gehabt - in meiner Straße wird ein Au Pair bald zurück nach Hause gehen und dann könnte ich dort montags und freitags arbeiten und auf die Kids aufpassen. Klar, sollte eigentlich ein guter Job sein. Was mich aber daran hindert ihn anzunehmen, ist die Hoffnung vielleicht in Sache meiner Zukunftspläne voran zu kommen. Und zwar in dem ich mir in St Albans eine Stelle suche, in der ich schon mal ein paar Erfahrungen sammeln kann, die nicht unbedingt was mit Kindern oder Haushalt zu tun haben.

Was es wird, da habe ich noch keine Ahnung. Ich denke es sähe schon komisch aus, wenn ein kleines 18 jähriges Mädchen in Pubs Alkohol ausschenkt, oder? Vielleicht kann ich mich ja als Kellnerin nützlich machen, aber ich kenne ja meine zittrigen Hände und meine Tollpatschigkeit. Dann vielleicht gleich als Putze irgendwo.

Was natürlich richtig toll wäre; vielleicht könnte ich ja in dem Fotostudio in St Albans aushelfen und gleich mal in den Beruf ein bissel reinschnuppern. Das wär schon klasse :)

Jetzt werde ich mich aber erst mal wieder zurücklehnen und mein Buch weiterlesen. Endlich habe ich nach dem Examen wieder Zeit und Ruhe für sowas!

 

Ach ja, noch eine Anmerkung zum St Paddy's Day :)

Da nicht nur ich das Examen am 17. geschrieben hatte, sondern auch Krista und Lea Mara durch waren, wollten wir diesen Anlass eigentlich mit den anderen Mädels feiern.
Natürlich muss es an einem Irischen Feiertag auch in einen Irischen Pub gehen, dachten wir uns. Der einzige "Irish Pub" in St Albans (von dem ich weiß) ist das O'Neill's.
Leider ist nur das Management dieses Pubs - bitte entschuldigt meine Anschuldigung - ziemlich rassistisch. Vor einem halben Jahr hatten nur manchmal Spanier oder Franzosen Probleme, mit ihrem Führerschein oder Ausweis reinzukommen, da wurde dann der Reisepass verlangt.

 

Letzten Monat wollten wir mal Mittags dort etwas essen. Allerdings wollte die Bedienung nicht unsere Bestellung aufnehmen, sondern unsere Ausweise einsammeln um zu überprüfen, ob wir auch wirklich über 18 waren.
Das hätte sie eigentlich ganz schnell feststellen können, wenn sie genügend Mathematikkenntnisse gehabt hätte. Allerdings ging sie mit den Ausweisen und Führerscheinen zum Manager um es mit ihm zu überprüfen.

Als sie zurückkehrte meinte sie, sie müsse uns jetzt auffordern, den Pub zu verlassen, da sie ausländische Ausweise und Führerscheine nicht akzeptieren würden.
Auf unseren Einwand, dass wir ja nichts alkoholisches trinken, sondern nur etwas essen wollten, wiederholte sie nur die Aufforderung ein weiteres Mal. So wurden wir einfach grundlos rausgeschmissen, mitten am Tag!

 

  Mittlerweile wussten wir dann auch alle Bescheid und brachten Ausweis oder sogar Reisepass mit. Dummerweise hatten wir vergessen, diese Information an Ruta weiter zu geben. Sie war noch nicht lange Teil unserer Gruppe und noch nie im O'Neill's gewesen.
Die Türsteher verweigerten ihr den Zutritt und so beschlossen wir, alle zu einem nächsten Pub zu gehen.

Bevor wir aufbrachen, unterhielt ich mich noch mit einer Securityfrau, die den "Hinterausgang" bewachte. Sie erklärte uns, dass das Management des Pubs sehr streng geworden ist und sie und ihre Kollegen deren Anweisungen Folge leisten müssen, was ja auch einleuchtend war.

  Während wir uns noch unterhielten, kam der eine Securitymann vom Eingang rum, erkannte uns wieder und berichtete mir, dass auch ich das nächste Mal nicht mehr mit meinem Ausweis reingelassen werden konnte, weil sie nur einen Reisepass anerkennen würden. Reisepass, oder eben einen Englischen Ausweis und Führerschein. Nichts Ausländisches. Daraus folgere ich, dass O'Neill's fremdenfeindlich ist.

 

Leider war unsere weiter Pub-Suche nicht mehr so erfolgreich, die nächsten vier Pubs waren entweder zu voll, zu voll mit alten (naja, so um die 40 aufwärts :P) Leuten oder erst ab 21+ Jahren. Zuletzt, um 11 Uhr fanden wir uns in der Loyd's Bar ein. Dort teilten wir uns dann zwei Coktailkrüge in denen man kein bisschen Alkohol schmecken konnte, und redeten über ernste Themen wie die Hinterhältigkeit von Facebook, dem Ernst des Lebens und die nächsten Reisepläne. 
Am Ende also ein echt toller Abend, allerdings ziemlich unirisch :)

 

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